Was, wenn Freude nicht das Ergebnis eines erfüllten Lebens ist, sondern der Weg dorthin? Diese Frage hat mich in den letzten Wochen auf eine Weise begleitet, die ich so nicht erwartet hätte. Nicht laut, nicht drängend, sondern eher leise im Hintergrund – und doch immer wieder spürbar. Vielleicht kennst du dieses Gefühl, wenn ein Thema immer wieder zu dir zurückkommt. In Gedanken, in Gesprächen, in Momenten, die sich plötzlich anders anfühlen als sonst. Genau so war es bei mir mit der Freude. Und vielleicht erkennst du dich beim Lesen in dem einen oder anderen wieder. Vielleicht entsteht auch ein Widerstand. Beides darf da sein. Denn manchmal beginnt genau dort ein neuer Blick.
Als ich dachte, ich wäre längst in der Freude
Vor einigen Jahren saß ich in einer Aufstellungsarbeit und bekam einen Satz mit, der mich im ersten Moment eher irritiert hat:
„Du darfst dir wieder erlauben, mehr Freude zuzulassen.“
Ich erinnere mich noch genau an meinen Gedanken damals. Ich war überzeugt, dass ich das längst tue. Ich lebte bewusst, folgte meinen Impulsen, konnte mich begeistern und hatte das Gefühl, auf einem guten Weg zu sein. So habe ich mich zumindest gesehen.
Erst mit der Zeit begann ich zu verstehen, dass es nicht um diese leise, angenehme Zufriedenheit ging, die ich kannte. Sondern um etwas Tieferes. Um eine Form von Freude, die lebendiger ist, unmittelbarer, echter. Eine Freude, die nicht nur da ist, wenn alles passt, sondern die sich mitten im Leben zeigt.
Vielleicht kennst du diese kindliche Freude. Dieses offene, neugierige Sein, das einfach da ist, ohne dass es einen Grund braucht. Und vielleicht hast du – wie so viele von uns – im Laufe der Zeit ein Stück davon verloren. So wie viele von uns. Nicht bewusst. Aber leise.
Der Moment, der mich innehalten ließ
In den letzten Wochen ist mir dieses Thema erneut begegnet. Ich habe das Buch „Das Universum steht hinter dir“ * von Gabrielle Bernstein gelesen, in dem sich die Freude wie ein roter Faden durch alles zieht. Und plötzlich war dieses Thema wieder ganz präsent in mir.
Und dann war da dieser Abend im Frauenkreis.
Wir haben ein Ritual gemacht, bei dem wir einander intuitiv etwas „geben“ und etwas „empfangen“ durften. Ganz intuitiv. Ich habe einer Teilnehmerin Liebe mitgegeben – einfach, weil ich gespürt habe, dass sie sie gerade gut gebrauchen kann. Und ich .. was glaubst du durfte ich empfangen? – FREUDE. Es war so unglaublich. Ich war so berührt, denn die Frau wusste nicht, dass das Thema aktuell bei mir so präsent war.
In diesem Moment wurde es still in mir. Nicht im Sinne von leer oder ruhig, sondern im Sinne von klar. Es war sofort da dieses Gefühl: Das ist kein Zufall. Ich war gerade so tief mit diesem Thema verbunden, hatte darüber nachgedacht, gelesen, gefühlt. Und genau in diesem Moment begegnet es mir im Außen. Und mit dieser Begegnung kam eine sanfte Erinnerung zu mir: Zu schauen, ob ich die wahre Freude tatsächlich in mein aktuelles Leben integriere. Ich stellte mir also die Fragen: Bin ich wirklich in der Freude? Oder habe ich mich – ganz unbemerkt – ein Stück davon entfernt?
Und genau daraus entstand dieser Impuls, darüber zu schreiben.

Freude ist kein Ziel – sie ist dein Weg
Lange Zeit habe ich geglaubt, dass Freude etwas ist, das irgendwann kommt. Wenn ich angekommen bin. Wenn alles passt. Wenn sich mein Leben so entwickelt hat, wie ich es mir vorstelle.
Heute sehe ich das anders.
Ich habe begonnen zu erkennen, dass Freude nicht das Ergebnis ist, sondern der Anfang. Dass sich etwas nicht deshalb verändert, weil wir alles im Griff haben, sondern weil wir uns wieder mit dieser inneren Qualität verbinden.
Wenn wir in der Freude sind, verändert sich unser Blick. Entscheidungen entstehen aus einem anderen Gefühl heraus. Beziehungen werden weicher. Vertrauen wird spürbarer.
Und oft beginnt genau dann etwas in Bewegung zu kommen, ohne dass wir es erzwingen oder kontrollieren müssen.
Wie wir uns von der Freude entfernen
Im Laufe unseres Lebens übernehmen wir viele Dinge, die uns zunächst Sicherheit geben. Gedanken, Überzeugungen, Muster. Und oft haben sie wenig mit Leichtigkeit zu tun.
Wir lernen zu funktionieren, zu leisten, uns anzupassen. Und irgendwo auf diesem Weg verlieren wir den Zugang zu dem, was sich eigentlich leicht anfühlt. Nicht bewusst. Sondern Schritt für Schritt.
Ein großer Teil davon sind Bewertungen – uns selbst gegenüber und anderen gegenüber. Doch etwas, das oft noch tiefer wirkt, sind Erwartungen. Erwartungen daran, wie etwas sein sollte. Wie sich unser Leben entwickeln sollte. Wie wir uns fühlen sollten.
Und oft merken wir gar nicht, wie sehr wir daran festhalten.
In dem Moment, in dem wir diesen Erwartungen folgen, sind wir nicht mehr ganz im Hier und Jetzt. Wir sind gedanklich voraus oder vergleichen mit etwas, das anders sein müsste. Und genau dort geht die Verbindung zur Freude verloren. Nicht, weil sie nicht mehr da ist. Sondern weil wir gerade nicht mehr bei ihr sind.
Vielleicht kennst du das. Dass du eigentlich einen schönen Moment erlebst – und gleichzeitig denkst: „Es sollte aber anders sein.“ oder „Es müsste doch besser sein.“ Und genau dieser Gedanke nimmt dem Moment seine Leichtigkeit. Freude entsteht nicht dort, wo alles perfekt ist. Sondern dort, wo wir einen Moment so sein lassen können, wie er ist.
Wie wahre Freude gelebt wird
Ich denke in diesem Zusammenhang oft an meinen Lebensgefährten. Er hatte schon lange den Wunsch nach bestimmten Autos – nicht, um etwas darzustellen, sondern weil es ihm einfach Freude macht.
Was mich daran immer berührt hat, war seine Haltung dazu. Es war kein Druck da, kein „Ich muss das erreichen“. Er war einfach in dieser Freude, wenn er sich damit beschäftigt hat.
Und irgendwann sind diese Dinge in sein Leben gekommen. Fast leise, fast selbstverständlich.
Ich erinnere mich noch gut an sein Strahlen. Dieses ehrliche, ungefilterte Strahlen. Es war nicht laut oder stolz. Es war einfach echt. Und genau in diesem Moment wurde mir klar, dass er nichts beweisen wollte. Er hat sich einfach erlaubt, sich zu freuen.

Wenn das Leben schwerer wird
Vielleicht liest du das und spürst einen Widerstand. Vielleicht denkst du: So einfach ist das Leben doch nicht.
Und ja, das stimmt.
Es gibt Phasen, in denen sich Freude nicht greifbar anfühlt. Zeiten, in denen der Körper Ruhe braucht, in denen alles langsamer wird, in denen wir uns eher zurückziehen als nach außen gehen. Ich kenne diese Phasen sehr gut.
Und genau dort habe ich etwas Entscheidendes gelernt: Dass es nicht darum geht, in diesen Momenten Freude zu „finden“. Sondern darum, anzunehmen, was ist. Ohne es anders haben zu wollen. Ohne dagegen anzukämpfen.
Und oft entsteht genau daraus etwas Neues. Nicht laut, nicht plötzlich, aber spürbar. Eine ruhige Form von Freude. Eine, die nicht von außen kommt, sondern aus der Verbindung zu dir selbst. Vielleicht auch aus einem Moment der Dankbarkeit.
Was wäre, wenn ich beschließen würde,
dass auch diese Situation Freude in sich tragen darf?
Was sich verändert, wenn du der Freude Raum gibst
Auch Gabrielle Bernstein beschreibt in ihrem Buch eine ähnliche Erfahrung. Als sie und ihr Mann verkrampft nach einer Wohnung suchten, wurde alles schwer. Erst als sie losgelassen haben und sich wieder der Freude öffneten, kam Bewegung hinein. Und ihr Zuhause fand sie.
Vielleicht ist genau das der Punkt: Dass das Leben leichter wird, wenn wir aufhören, gegen uns selbst zu arbeiten.
Freude als Weg zurück zu dir
Freude ist nicht oberflächlich. Sie ist nicht laut und auch nicht abhängig davon, was im Außen passiert. Sie ist vielmehr eine innere Ausrichtung.
Wenn du in dieser Verbindung bist, verändert sich etwas. Dein Blick wird weicher. Dein Vertrauen wächst. Und du beginnst, dich selbst wieder klarer zu spüren.
Wenn du in der Freude bist, ändert sich deine Energie, deine Ausstrahlung, deine Wahrnehmung.
Oft öffnen sich genau dann Türen, die vorher verschlossen waren oder die du noch gar nicht wahrgenommen hast.
Vielleicht hast du beim Lesen gemerkt, was dir eigentlich Freude macht. Vielleicht fällt es dir auch noch schwer, ihr wirklich Raum zu geben. Weil der Alltag laut ist. Weil alte Muster noch da sind. Weil Zweifel auftauchen.
Und genau da kann es so wertvoll sein, nicht alleine zu gehen. Manchmal braucht es jemanden, der dich wieder daran erinnert, was in dir längst da ist.
Es geht gar nicht darum, sofort alles zu verändern oder dich in die Freude zu zwingen. Sondern einfach zu beginnen, hinzuschauen. Um dich besser zu verstehen. Nicht als Aufgabe. Sondern als Einladung.
Freude bringt dich zurück in Verbindung mit dir selbst. Und mit dem Leben.
Fazit
Freude ist nichts, das du dir verdienen musst. Sie ist nichts, das erst entsteht, wenn alles passt. Sie ist bereits da. Und vielleicht darfst du beginnen, dich ihr wieder anzunähern. Schritt für Schritt. In deinem Tempo. Und vielleicht beginnt sich genau dadurch mehr zu verändern, als du es dir gerade vorstellen kannst.
Ein weiteres Buch, das mich in diesem Zusammenhang sehr berührt hat, ist „Judgement Detox“* von Gabrielle Bernstein – besonders, wenn du beginnen möchtest, dich Schritt für Schritt von Bewertungen zu lösen.
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